Fazit und Rückblick auf unsere „Move your Town“-Kampagne:

Fazit und Rückblick auf unsere „Move your Town“-Kampagne:

Mit unserem gut besuchten Sommerfest am 15.08. haben wir vorerst unsere Kampagne „Move your Town“ beendet, die trotz eines äußerst kleinen Budgets mit über 800 Besucher/innen auf ca. 10 Veranstaltungen in den letzten drei Monaten ein voller Erfolg war. Nach der wohlverdienten Sommerpause haben wir für euch eine Resümee unserer Kampagne und einen Überblick über die einzelnen Aktionen zusammengestellt.
Unsere drei großen Ziele waren, sind und bleiben:

1) Vernetzung der alternativen Szene in Aschaffenburg und Aufbau eigener Strukturen

2) Grundsteinlegung für eine vielfältige, lebendige und unkommerzielle Kultur

3) Bekanntmachung unserer Idee eines alternativen Kulturzentrums für Aschaffenburg

zu 1) Aschaffenburg hat wesentlich mehr zu bieten als die etablierte Kultur von Museen, Kleinkunst und Kneipenlandschaft. Schon seit Jahren existieren eine große alternative Musikszene, diverse (Jugend)Subkulturen sowie eine außerparlamentarisch politische Szene. Dieser alternativen Szene wird in der Öffentlichkeit leider nur wenig Beachtung geschenkt. Bisher liefen alle kleinen Projekte eher im Hintergrund – mehr oder weniger erfolgreich. Mit unserer Kampagne haben wir es geschafft, vereinzelten Projekten einen gemeinsamen Rahmen zu geben und ihnen – wenigstens für einen gewissen Zeitraum – Ausdruck zu verleihen. Es wurden neue Kontakte geknüpft, gemeinsam geplant und vorbereitet, weshalb schließlich ein so tolles Ergebnis erzielt werden konnte. Wir sind uns sicher, dass dieser Personenkreis auch in Zukunft an einem Strang ziehen und weitere, gemeinsame Projekte auf die Beine stellen wird.

zu 2) Unsere Kampagne ist durch die vielen unterschiedlichen Aktivitäten als „vielfältig, lebendig und unkommerziell“ zu bezeichnen. Im Bereich Musik war eine breite Sparte der verschiedenen Stilrichtungen vertreten (Punk, Emo, Ska, Hardcore, Rock), so dass für jeden Musikgeschmack etwas dabei war. Die gut besuchten Vortragsveranstaltungen waren nicht nur sehr interessant, sondern auch äußerst kommunikativ. Viele Besucher/innen nutzten die Gelegenheit und brachten ihre Meinung und Kritik in die im Anschluss stattfindenden Diskussionen ein. Für einige Besucher war es sogar der erste Besuch einer Vortragsveranstaltung außerhalb von Schule oder Uni. Wie das rege Interesse an den Veranstaltungen zeigt, hat die kritische Auseinandersetzung mit Politik und Gesellschaft nicht an Aktualität eingebüßt.

Die meisten unserer Veranstaltungen waren übrigens kostenlos; lediglich für Konzerte wurde ein kleiner Eintrittspreis verlangt. Dies war nötig, um die anfallenden Kosten (Miete, GEMA, Ausschankgenehmigung, Fahrtkosten für Bands und Referenten, Werbung) zu decken. Auch die Getränkepreise wurden möglichst günstig gehalten und bei einigen Veranstaltungen war sogar das Mitbringen von eigenen Getränken gestattet. Somit haben wir auch Menschen ohne festes bzw. großes Einkommen die Teilnahme an unseren Veranstaltungen ermöglicht. Ein wichtiges Prinzip von Abakuz bleibt auch in Zukunft, dass wir der Ausgrenzung von kultureller Teilhabe wegen fehlender finanzieller Mittel und der damit einhergehenden Stigmatisierung auch weiterhin einen Riegel vorschieben wollen!

zu 3) Durch die Kampagne wurden viele Menschen erstmalig auf Abakuz aufmerksam. Zwar gibt es die Idee eines alternativen Kulturzentrums schon lange, doch bisher gab es keine Gruppe, die dieses Ziel praktisch in Angriff genommen hat. Wir hatten uns vorgenommen, möglichst viele Menschen zu erreichen und für die Idee zu begeistern – das haben wir unserer Ansicht nach auch geschafft! Durch unsere individuell erstellten Broschüren, Plakate, Flyer und Aufkleber war die Kampagne nicht nur in der Presse, sondern auch im öffentlichen Raum präsent. Die Resonanz darauf war weitaus größer als zunächst von uns erwartet und auch der Zulauf an Interessierten und neuen Mitgliedern war/ist enorm. Wir sind zuversichtlich, dass wir nun auf dem richtigen Weg und unserem Ziel eines selbstverwalteten, alternativen Kulturzentrum ein Stück näher gekommen sind. Durch erste Gespräche mit Stadträten und Amtsleitern ist unsere Idee über die eigenen Kreise hinaus bekannt geworden.

Insgesamt ziehen wir also ein positives Fazit nach „Move your Town“. Wir haben unsere Ziele erreicht und sehen uns darin bestätigt, dass Aschaffenburg ein alternatives Kulturzentrum braucht. Die Einsatzbereitschaft der vielen Helfer/innen, das geleistete ehrenamtliche Engagement und das Interesse der vielen Besucher/innen zeigen, dass der Bedarf an alternativen Kulturveranstaltungen groß ist. Die bereits vorhandenen Einrichtungen in Aschaffenburg können diesen Bedarf weder abdecken, noch gibt es überhaupt eine Anlaufstelle, in der Projekte dieser Art unter einem Dach verwirklicht werden können. Alternative Kultur braucht einen festen Platz im kulturellen Leben der Stadt!

Im Herbst/Winter 2008 werden wir weitere Aktionen durchführen, doch wird unser Schwerpunkt in den nächsten Monaten auf der Suche nach geeigneten Räumen für unser Kulturzentrum liegen. Zwar hatten wir bereits einige interessante Objekte in Aussicht, doch wegen zu hoher Mietpreise und/oder unzähliger zusätzlicher Auflagen (Brand- und Emissionsschutz, Fluchtwege, sanitäre Anlagen) konnten wir bislang keine geeigneten Räumlichkeiten finden. Kontakte zu Vertretern der Stadt in diesem Zusammenhang verliefen bisher ergebnislos. Wir bleiben aber am Ball und hoffen auf eine baldige und kostengünstige Lösung.

Für Unterstützung, Tipps und Kritik sind wir dankbar.

AbaKuZ e.V. im September 2008

Übersicht der Kampagne:

12.04. Infostand in der Herstallstraße: Um bereits im Vorfeld kräftig Werbung für unsere Kampagne zu machen, waren wir mit einem Infotisch in der Fußgängerzone präsent. Es wurden zahlreiche Flyer und Broschüren an Passantinnen und Passanten verteilt.

30.04. Kneipe Hannebambel – Soli-VOKÜ, anschließend Feierei in den Mai mit Protestsongs: Das Hannebambel unterstützte die Kampagne mit einer ordentlichen Party und einer finanziellen Spende.

02.05. JUKUZ (Jugendkulturzentrum) – „Move your Town“-Festival (Teil 1): Konzert mit Illectronic Rock (Emo-Rock), So far away (Hardcore), Enjoy Division (Alternative Rock) und den Hesslers (Industrial Rock). 240 Besucher/innen

03.05. JUKUZ (Jugendkulturzentrum) – „Move your Town“-Festival (Teil 2): Konzert mit LAK (Deutschpunk), Surfits (SKA), Phlegmaix (Punkrock), Tequilla Terminators (SKA). 170 Besucher/innen

06.05. Café Schwarzer Riese – Infoabend zur „Move your Town“-Kampagne: Etwa 30 Interessierte kamen zum Infoabend, um sich über unsere Kampagne zu informieren.

31.05. Schiff Määkuh im Floßhafen – Antifaschistischer Infotag, mit anschließender Party: Informationsveranstaltung zu rechtsextremen Strukturen am bayerischen Untermain mit einem Mitglied des Bündnis gegen Rechts. Anschließend fand eine Lesung mit Buchautor Bernd Langer zum Thema „Autonomer Antifaschismus“ und am Abend eine Party mit guter Stimmung statt. 80 Besucher/innen

07.06. Herstallstraße – Info-Stand: Erneut organisierten wir einen Infostand in der Fußgängerzone und verteilten Flyer und Broschüren.

17.06.Schwarzer Riese – Vortrag „go.stop.act! Multimediale Geschichten des kreativen Straßenprotests“: Im voll besetzten „Schwarzen Riesen“ spracht ein gutgelaunter Referent über kreative Möglichkeiten des Protestes und gab Anregungen für kommende Demonstrationen und andere Aktionen. 40 Besucher/innen

25.06. Schwarzer Riese: Vortrag über Kommune-Leben und alternative Lebensformen: Die etwa 70-köpfige Kommune Niederkaufungen (siehe auch: www.kommune-niederkaufungen.de) wurde vorgestellt. Es entstand jede Menge Lust auf „anderes“ Leben. 30 Besucher/innen

27.06. Konzert in der Katakombe (Katholisches Jugendzentrum im Martinushaus) mit T-Killas(SKA-Punk), Noteingang (Punk) und den Kafkas (Punk). 100 Besucher/innen

01.07. Abakuz-Zentrum – Filmabend zum Thema „Hausbesetzung“: Bei gutem Wetter zeigten wir einen Dokumentarfilm über das besetzte Haus „Köpi“ in Berlin. Im Anschluss entwickelte sich eine rege Diskussion über Freiräume und selbstverwaltete Zentren. 30 Besucher/innen

08.07. Schwarzer Riese – Vortrag zur Globalisierung: Aktivisten aus Aschaffenburg, die bei den Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm dabei waren, erzählten von ihren Erfahrungen und Erlebnissen. Es wurden Filme gezeigt, die sich inhaltlich mit den Protesten auseinandersetzen. 35 Besucher/innen.

12.07. Abakuz-Zentrum – Open-Air-Kino: 40 Besucher/innen

15.08. Abakuz-Sommerfest in der Pfadfinder-Villa im Schönbusch für Mitglieder, Freunde und Förderer des AbaKuZ und seiner Ziele (siehe Flyer unten). 80 Besucher/innen